
dreidorf
ist überall und
bist
du - ibbe
dibbe dab und du bist ab
bitte
locker bleiben und nur
keinen sand in den kopf stecken
Sie
sehen eine buntbemalte tür.
früher schrieb man das mit h.
zugegeben: viele far-
ben, schön bunt hier, würde nina hagen sagen. na gut, so etwas ist
geschmackssa-
che. keine türklinke? ja, geht denn da niemand
ein und aus? wo die tür zu finden
ist? mitten in der fußgängerzone einer
kleinstadt namens dreidorf, die sich für die
größte im rhein-sieg-kreis hält und darum bereits vor jahrzehnten
die längste fuß-
gängerzone europas, wenn nicht der welt,
bauen ließ. mittlerweile sind die meisten
pflastersteine lose, was beim gehen, noch schöner beim radfahren schöne
klackern-
de melodiefolgen ermöglicht. Sie sehen: es
wird etwas geboten. und das alles kos-
tenlos. anderes kommt den steuerzahler dafür teuer zu stehen. übrigens
ist fuß-
gänger wie weißer schimmel ein pleonasmus. gehen bedeutet immer mit
den füs-
sen. oder mit welchem körperteil geht man gewöhnlich? Sie sehen: die
sache hat
hand und fuß.
wie kam es zur bunten tür? nun, es gibt nicht nur eine bunte tür,
da sind viele bunte
fenster eines ganzen straßenblocks, aber auch fenster, die nicht bemalt
werden
wollten und nun einen klaren blick auf die umgebung haben. so etwas freut fenster
noch mehr, wie alle wissen, die schon mal mit einem fenster gesprochen haben.
alles fing mit einem besuch eines städtischen mitarbeiters, der ungenannt
sein möch-
te, in island an, der daselbst zufälligerweise,
sollen wir das glauben?, den dort so
genannten feenbeauftragten kennenlernte. man muß
wissen, daß es in island nur
so von elfen, gnomen und trollen wimmelt. da diese wesen gerne auf und unter
stra-
ßenkreuzungen wohnen, muß man in island bei bauvorhaben, die solche
sensiblen
wohnbereiche betreffen, eben den feenbeauftragten konsultieren, regelmäßig
und
nicht ab und an.
auch wenn dies eine realsatire
ist, glauben Sie bloß nicht, daß alles frei erfunden ist.
ganz im gegenteil: es hat sich so zugetragen oder fast so. was
geschah dann?
der städtische mitarbeiter erzählte dem feenbeauftragten von einem
geplanten bau-
objekt, es ging um eine einkaufspassage in dreidorf.
der name war den stadtoberen
früher peinlich, darum beschloß man, noch einige dörfer hinzu
zu nehmen, was ir-
gendwann dreidorf rechnerisch zur größten stadt im kreisgebiet machte.
es waren
dann mehr als drei dörfer, aber man konnte eine stadt darum nicht einfach
in sieben-
oder achtdorf umbenennen. man beließ es also bei dreidorf. aus dorf war
einfach
nicht stadt zu machen.
dabei war es napoleon, dessen
soldaten mehr als einmal fisimatenten
machten, er
gab der stadt den namen.
damals schrieb man drei noch trois.
deutsch wurde wie-
der deutsch und aus trois wurde wieder drei. ein späterer österreicher
wollte nicht
an napoleons erfahrungen im sibirischen winter glauben und ließ noch schlimmere
seinen soldaten angedeihen. aber das ist eine komplett andere geschichte, die
sich
hier versehentlich hin verirrte.
der feenbeauftragte hörte geduldig zu, als
der städtische mitarbeiter ihm seine sor-
gen schilderte. trotz hervorragender lage im herzen der
fußgängerzone sei es un-
möglich, einen investor zu finden. darum könne
man auch nicht bauen. und das nicht
erst seit gestern. nein, schon jahrelang könne man nicht bauen. so lange
stünden
bereits die häuser leer. millionen habe das gekostet. der feenbeauftragte
schüttelte
ungläubig den kopf? seit jahren? ja, um gottes willen, warum hatte man
denn so et-
was gemacht? ihm fiel, als gebildetem isländischen staatsbürger ein
altes zitat auf
latein ein: cui
bono? nein,
Sie müssen nicht klicken, Sie kennen die bedeutung. dem
isländer war auch die alte wendung geläufig: dein geld ist weg? es
ist nicht weg, es
ist nur woanders. Sie müssen wissen, isländer wie auch dänen
und andere duzen
sich prinzipiell. der deutsche ist da anders. er mag sicher auch den spaß,
aber den
nimmt er, besonders im karneval, sehr ernst.
dummerweise,
so fuhr der städtische mitarbeiter fort, hätte man schon in erwartung
des prächtigen bauvorhabens den mietern von mehr als einem dutzend häusern
ge-
kündigt und alles vorbereitet: rohre, stromleitungen, sämtliche installationen
aus den
häusern entfernt. man schuf vollendete tatsachen.
das ist ja ungefähr so sinnvoll, als
würde ein bauherr, der noch gar keine baugenehmigung hat, seine alte wohnung
küngigen und das komplette baumaterial einkaufen.
so
saß die stadt auf mehr als einem dutzend häusern
herum, die sie für teures geld,
na sicher auf pump, den besitzern abgekauft hatte. und was das koste: jeden
monat
allein mehr als zwanzigtausend euro nur an zinsen. natürlich hätte
man die men-
schen mit befristeteten mietverträgen in den
häusern bis zum baubeginn wohnen
lassen können. ja, warum eigentlich tat man das nicht? der städtische
mitarbeiter
und mit ihm der feenbeauftragte seufzten einmütig.
denken Sie mal kurz an das maut-desaster.
anstatt eine vorhandene mautlösung, die
funktionierte, zu belassen, wurde diese abgeschafft in erwartung der zukünftigen,
die leider, wie wir alle wissen, nicht wie vereinbart kam, sondern jahre verspätet.
na-
türlich
mit äußerst günstigen konditionen für die betreiber, die
sich dennoch weltweit
lächerlich machten, und einnähmeausfällen in milliardenhöhe.
da hätte man besser
das österreichische modell gewählt.
hinterher ist man ja immer schlauer.
offenbar war gefahr im verzuge (so nennt man
gewöhnlich eine verfahrensweise, die bestimmte regularien außer kraft
setzt), und
man räumte schnell in dreidorf die häuser leer und die menschen hinaus.
was sagt der rechnungshof
dazu? wer ist dafür verantwortlich? aber Sie verstehen:
so etwas zu fragen, schickt sich nicht.
es
war furchtbar. nichts tat sich. keiner wollte ein
einkaufszentrum in einer stadt
bauen, wo die menschen schon ein-euro-läden
in hülle und fülle haben. dreidorf ist
ja schließlich nicht düsseldorf. (this
is not america)
mittlerweile
fielen die leerstehenden häuser immer mehr menschen auf, die täglich
durch die fußgängerzone gingen. genau gegenüber
dem areal kann man jetzt noch
einen leckeren italienischen cafe und eis genießen
und schaut dabei unwillkürlich
frontal auf das geplante bauvorhaben.
im
gespräch mit anwohnern und passanten hörte
man schnell aussagen wie: "da
wird nichts draus" oder in steigerung: "da wird
nichts mehr draus" oder "viele,
auch die ansässigen geschäftsleute, sind sauer".
bei
der stadt spürte man auch handlungsbedarf,
denn sie kann sich einen leerstand
von so vielen häusern nicht leisten, selbbst wenn es mal eine planung gab,
die sich
bisher in mehreren jahren nicht durchsetzen ließ.
da
kam wie gerufen der städtische mitarbeiter
aus dem urlaub zurück und infor-
mierte die städtischen würden- und verantwortungsträger über
seine erkennt-
nisse. er hatte aufgrund der ernsten lage den isländischen feenbeauftragten,
herrn leif
gutmundsdottir passenderweise gleich mitgebracht.
schnell kam der ausgewiesene
feenexperte (nein, er war nicht aus dem land ge-
wiesen worden) zum schluß, daß das geplante bauvorhaben
undurchführbar sei.
es befänden sich genau im kreuzungsbereich feenwohnungen,
die auf jeden fall
schüzenswert seien. das hatte er schon geahnt und die untersuchungen bestä-
tigten seine früheren vermutungen.
die
bisher aufgetretenen probleme bei der umsetzung des an sich edlen und ganz
und gar uneigennützigen bauvorhabens seien eindeutig auf den widerstand
der
im verborgenen wirkenden feen, gnome und elfen
zurückzuführen.
der
stadtrat mit allen anwesenden erschrak und erbleichte
sogleich. es wurde spä-
ter berichtet, daß sogar bei einigen die haare plötzlich weiß
geworden waren.
aber, schreck laß' nach: problem erkannt, problem gebannt. natürlich
nicht wirk-
lich. gegen feen ist kein un- und sonstiges kraut gewachsen. da ist rein gar
nichts
gegen auszurichten, außer besprechung und beratung mit den elfen.
vielleicht ziehen sie ja freiwillig um. herr leif gutmundsdottir versuchte sein
bestes.
die feen wollten bleiben, wo sie sind: in den leeren
häusern. selbst ein besuch im
bilderbuchmuseum und stöbern in alten schriften halfen nicht weiter.
da erinnerte sich die stadt an den alten herr potemkin.
was der kann, das können
wir lange schon. in einer hübschen aktion durften kinder (oder künstler?)
die leer-
stehenden häuser
bunt bemalen. abends
werden hinter den schönen glasmalerei-
en sogar lampen entzündet, was eine behagliche,
anheimelnde atmosphäre schafft.
der unbezahlbare nebeneffekt: alle, die tagsüber
oder abends an den häusern vor-
beigehen, müssen unzweifelhaft davon ausgehen,
daß die häuser bewohnt sind
und von menschen belebt werden. manche, die es besser wissen müssten, glauben
es sogar, da mag die macht der gewohnheit eine rolle spielen. auch ich war jahre-
lang darauf hereingefallen, bis zu dem tag, als ich mich fragte, wie
die leute, die
hinter den bemalten fenstern wohnen, nach
draußen schauen. denn, auch wenn
sich die fenster in den oberen etagen befanden, konnte man von draußen
erken-
nen, daß sie blickdicht bemalt sind. ich
konnte und wollte mir nicht vorstellen, daß
da menschen wohnen. mir war plötzlich völlig klar: da
wohnt niemand.
man könnte auch sagen: etikettenschwindel auf hohem
niveau, aber ich werde
mich hüten, so etwas öffentlich zu sagen und
schlage vor, demnächst führungen
(kostenpflichtig) durchzuführen und gelegentliche konzerte in den häusern
zu
geben. die unsichtbaren bewohner würden sich freuen.
also, nichts für ungut. nicht die stadt, keiner, niemand kann etwas dafür.
die elfen
waren's. so
einfach kann wahrheit sein.
p.s.
Sie werden natürlich niemals aus naheliegenden gründen eine öffentliche
ver-
lautbarung über die wahren hintergründe zu lesen oder hören zu
bekommen. da-
für gibt es einige gründe:
erstens hätte man einen investor haben müssen, bevor die stadt die
häuser räu-
men ließ und zweitens dadurch dem steuerzahler die zinsen erparen können,
die
regelmäßig auflaufen, was schon peinlich genug ist, und drittens
ist da die sache
mit den elfen, die viertens bedeutet, daß zu weihnachten, trotz ankündigung,
die
immer noch im schaufenster hängt, keine stadtpassage fertig sein wird.
dann
reicht's fünftens für prima rentierschlittengaragen,
die werden ja um die zeit
immer dringend gebraucht. dafür kann man alles so lassen, wie es ist. auch
nicht
schlecht, oder? sechstens läßt sich
nach alternativen fragen, die siebtens bisher
auf sich warten lassen. vorschlag?
wie wäre es, einige 1-euro-menschen einzustellen und in den leeren häusern
übungsfirmen bzw. übungsgeschäfte einzurichten? man könnte
damit prima
verkaufstätigkeit und leben simulieren. dann könnte wirklich alles
bleiben, wie
es ist.
sagen wir es mit uns
loddar :"nur keinen sand in den kopf stecken".
oder viel-
leicht angesichts des hübschen desasters doch? ja sicher: erst augen zu,
dann
kopf in den sand, oder doch sand in den kopf?
wir
dürfen in
deutschland
nicht immer alles schlecht reden. für's schlecht machen
sorgen schon andere genug. darum
gibt es jetzt eine neue kampagne: deutsch-
land bist du. ja, dann bin ich deutschland? klar doch: jeder ist deutschland,
zu-
mindest ein stück davon. toll, danke, etwas, das wir unbedingt erfahren
mussten.
man muß nicht alles ernst nehmen und kann im schlechten auch das gute
finden
oder, noch besser: das schlechte einfach gut finden oder es rundweg leugnen.
leere häuser in dreidorf? gibt's doch nicht. (am besten mit empörtem
gesichts-
ausdruck). aus der geschichte: niemand
hat die absicht, eine mauer zu errichten.
was wir von ehrenworten
zu halten haben?
beschiss, verzeihen Sie ein mehr als deutliches wort, ist ja nichts anderes
als eine
düngerbeihilfesondergabe, also eigentlich etwas nützliches, stinkt
aber.
eins ist klar: alles
wird gut. fragt sich, für wen und wann und wo... .
dann troll' ich mich jetzt mal.
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