


oder wie man erfolgreich wohnraum vernichtet
kleine
vorbemerkung: da geht man jahrelang
wie blind durch eine stadt und bewun-
dert schöne häuser mit buntbemalten fenstern,
türen und fassaden, ohne wirklich
hinzuschauen. es ist wie unkonzentriertes lesen in einem buch, wo man sich
am
ende der seite fragt: was habe ich gerade gelesen? so wird es zwangsläufig
auch
dem kurzbesucher gehen, der die bunten
bilder für die wirklichkeit hält.
alles ist (fast) wunderschön. schaut man jedoch genauer, offenbart sich
ein furcht-
bares geheimnis. wie
erfuhr ich davon?
es geschah an einem nachmittag in dreidorf. ich machte als flaneur
einen kleinen
nachmittagsspaziergang. an einem vergitterten ladenlokal, ein ehemaliges juwe-
liergeschäft - warum eigentlich vergittert? lagern da etwa noch pretiosen?
- fand
ich den hinweis, daß das geschäft
seit anfang 2003 umgezogen ist,
folgte einer schrift, die in großen
buchstaben auf die scheibe
gemalt
war
und
gelangte dorthin
,
wo vom
einer stadtpassage
gesprochen wird.
ich wurde neugierig und trat noch näher
heran. dazu musste ich mich bücken.
ich las etwas von fertigstellung
im
herbst 2005. nun, der herbst hat ja gerade angefangen. normalerweise
dauert
so eine jahreszeit drei monate, dann müssten
die ja bis weihnachten fertig sein,
so dachte ich einfältiger thor. in mir kam freude auf. das wird sicher
schön, wenn
die stadtpassage in voller pracht im weihnachtsglanz
die menschen erfreut. alle
sollten sich darüber freuen. schon jetzt, in erwartung des schönen
ereignisses.
von einem gut unterrichteten zeitgenossen erfuhr ich, daß bereits
vor sechs jah-
ren die ersten dieser häuser geräumt wurden.
hurra,
hurra, hurra, rief ich vor allen menschen,
bald gibt es etwas zu feiern. spä-
testens weihnachten, zum heiligen fest, ein fest
der ganzen familie, wie auch alle
stadtbewohner eine einige familie sind gemäß dem beeindruckenden
slogan der
stadt: dreidorf, eine familienangelegenheit. das
hört man sogar in der warteschlei-
fe, wenn man bei der stadtverwaltung verbunden wird, wozu man nicht verletzt
sein muß. das anagramm
für stadtverwaltung lautet, aber das ist reiner zufall:
watt verlangst du. klare
mängel? angela merkel. so schön kann sprache sein.
ist man bereits ein zweifelhafter mensch, wenn man sich gelegentliches zweifeln
erlaubt? ich beantwortete mir die frage selbst mit nein und gab mich dem zwei-
feln ausgiebig hin. das ist bei mir immer eine aufwendige angelegenheit. ich
zwei-
fle nicht mal nur für ein paar minuten, nein, für zweifeln nehme ich
mir zeit.
ich beschloß damit
einhergehend, der sache, soweit ich sie zu ergründen vermoch-
te, auf den grund zu gehen, denn ich ahnte, daß es nicht mit rechten
dingen zuge-
hen konnte, wenn da
eine stattliche anzahl von sehr schönen häusern,
die man an-
derswo sicher zu schützen wüsste, durch leerstand zugrunde gingen.
ich bin jah-
relang an diesen häusern vorbei gegangen und habe sie für
bewohnt gehalten.
da standen sie aber bereits leer, vermutlich schon seit 2000 oder früher?
warum
war mir das nicht aufgefallen? aber woran merkte ich es überhaupt? das
später.
der leerstand hatte natürlich eine höhere zweckbestimmung,
die mir damals noch
nicht klar war, die aber auch der geneigte leser schnell, mehr oder wenig oder
überhaupt nicht nachvollziehen, aber auch gutheißen kann?
stop: halt. ich muß mich hüten, nicht zu bewerten, das sollen andere
machen und
am ende tut es die geschichte sowieso. nicht, die ich erzähle, die andere.
wenn
Sie sich zutrauen, die volle wahrheit zu ertragen, die teilweise gespenstisch
ist, dann können Sie weiterblättern. sonst fragen
Sie bitte arzt und apotheker,
pfarrer und psychiater, friseur oder fußpfleger. nehmen Sie nervennahrung
zu
sich. lüften Sie noch einmal quer. husten Sie, kreisen-lassen der arme
mit gleich-
zeitigen kniebeugen bringt Sie in optimale verfassung. erden Sie sich, schließen
Sie den magischen kreis. wenn es dann klingelt: öffnen Sie nicht. lassen
Sie nie-
mand hinein. es könnten die sein, von denen gleich die rede sein wird.
bleiben
Sie nüchtern.
bitten Sie die tonbandstimmenforscher um ein mitschneiden der sitzung. denn
viel-
leicht melden sich auch tante kläre oder onkel fritz. Sie ahnen: es könnte
rund
gehen.
auf jeden fall besser als eckig. aber seien Sie
unbesorgt: nichts wird pas-
sieren, was Sie nicht auch für möglich halten. nehmen Sie zuflucht
zu Ihrem glau-
ben oder überprüfen Sie Ihre glaubenssätze und Ihr normeninventar.
auf englisch: where the attention goes, energy flows.
machen
Sie mich also bitte nicht dafür verantwortlich, falls Sie später schlafstör-
ungen haben oder merkwürdige zusammentreffen mit feen,
elfen, gnomen und
trollen, usw., davon wird es hier gleich wimmeln. tatsächlich waren
sie die ganze
zeit schon da... .
ach
ja, da fällt mir noch etwas ein. die stadt überlegt ja zur zeit, gegen
heftigen
widerstand,
außer der cdu/spd/fdp, die sich einig waren, die
stadtwerke
zu
verkaufen. die presse nennt summen von 38 bis 50 millionen, die man per kredit
aufnehmen müsste, sofern die sache überhaupt genehmigt wird. man verkauft
etwas, muß aber dafür bezahlen. merkwürdig. aber das alles hat
mit der stadt-
passage nichts, aber überhaupt gar nichts zu tun. na, dann hätte ich
es auch
gar nicht erwähnen müssen. streichen Sie es meinetwegen. natürlich
nicht
meinetwegen, das war nur so eine floskel.
schon vor vielen jahren hörte ich, wenn ich jemand aus dreidorf
traf, als antwort
auf die frage: wo wohnst du denn? "in troostlos"
(mit gedehntem o). wie kann
man einen ort, an dem man selbst wohnt, so nennen? haben Sie vielleicht eine
idee? das reimt sich ja noch nicht einmal auf dreidorf. in der drei ist aber
auf
jeden fall platz für'n ei.
extras: walmart thomson telekom kaufhof
fühlen Sie sich manchmal auch wie vor den kopf geschlagen? verzweifeln
Sie nicht,
geben Sie sich vielmehr einen ruck und
lassen Sie mal was springen: spenden Sie für die aktion:
"bürger bauen stadtpassagen"
Martin
C. Altenpohl,Altenpohl,Realsatire,Dreidorf,Stadtpassage Troisdorf,Troisdorf,Deutschland,Germany,Astrologie,Beratung,Consulting,Arts,Webdesign,Online
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