nein, er hat nicht dem alten mann die tür geöffnet…
foto vom 13.10.2005 beim besuch von jürgen in troisdorf
DAS IST OM
embedded sitar-sound: excerpt from the album "SOUL OF SITAR", title "MAA GANGA" - thanks for kindly permission from PT. SHIVANT MISHRA & DEOBRAT MISHRA
ein video u. mp3s
anekdoten
die beerdigung
die fotos davon
 
 
 
 
 
 
 
 



zum tode eines nichtalltäglichen menschen an einem ebenso außergewöhnlichen
tag.
wer war jürgen briesemeister? geboren am 03.07.1957, starb er zwischen
dem 17. und 18.01.2007 in berlin, während draußen der orkan kyrill tobte.

daß man jürgens stimme noch einmal hören kann, mag für den einen makaber erscheinen, ich
meine es aber als hommage an jürgen, den neben vielen anderen vorzügen auch eine sympa-
thische stimme auszeichnete. ich habe nach seinem tod bei ihm angerufen und als der ab
ansprang, meinen alten kassettenrekorder geschnappt und seine stimme aufgenommen.

der meister der briese ist an einem tag gestorben, wo kein laues lüftchen sich regte, son-
dern der orkan kyrill einigen zum verhängnis wurde. nebenbei waren es, wie die medien
vermelden, 60 millionen entwurzelte bäume europaweit, 40 millionen in deutschland. auch
das ist unfassbar. jürgen starb wohl in seiner wohnung. die genauen umstände sind mir
unbekannt.

so um die mitte des monats januar, ich war gerade zu bett gegangen, hörte ich ein käuz-
chen. ich kannte den volkstümlichen glauben, daß, wenn ein käuzchen wehklagt, jemand
stirbt oder sterben muß. dies kam mir unwillkürlich in den sinn. ich dachte: wen mag es
treffen?

der gesang dieses vogels kommt mir immer unheimlich vor, und ich kann nicht sagen, wann
ich ihn zuletzt bewußt wahrgenommen habe.

es zog sich eine weile hin und ich ging so meinen gedanken nach, schlief darüber ein und
vergaß es am nächsten morgen, maß ihm keine gesteigerte bedeutung bei.

an alles mögliche dachte ich, nur nicht, daß es jürgen sein sollte, wenn überhaupt er damit
gemeint war. aber jetzt im nachhinein betrachtet, macht es sinn.

der sprung vom käuzchen zum kauz bietet sich an. aber war jürgen ein kauz? nein, er konnte
aber locker den schalk herauslassen, was ich mehrmals erleben durfte. er hatte einen nicht
alltäglichen humor, er war überhaupt nicht eindimensional, sondern tiefgründig und konnte
dabei sehr ernst sein. er hatte eine klare philosophie vom leben und marc aurel war ihm
nicht fremd.

jürgen war sensibel, empfindsam und manchmal auch empfindlich. das wort laune verbietet
sich, stammt jedoch von luna, nebenbei bemerkt sein sonnenzeichen, was aber nur von be-
deutung für eingeweihte und interessierte ist. fly me to the moon war ein lied, das er moch-
te. irgendwo hörte ich einmal, daß der mond so eine art relaisstation für die seelen der ver-
storbenen sei bis zur weiterreise, eine vorstellung, über die ich mit jürgen vortrefflich hätte
diskutieren können.

jürgen war großzügig und kein erbsenzähler, was er mir schon einmal zu recht vorwarf. er
war sicher einzigartig und hatte einen wunderschönen nachnamen. nomen est omen. der
meister der briese. er hieß ja eben nicht kleinschmidt oder müller. jürgen war auch kein herr
meyer oder herr unwichtig.

er war andererseits aber auch kein, wie mein verstorbener vater heinrich gerne über be-
stimmte typen sagte: "männeken wichtig." jürgen fiel auf, was nicht nur an seiner höhe und
größe in cm lag. auf englisch: the real measure of greatness can't be found on a yardstick.
auf deutsch: wahre größe findet man nicht mit dem zollstock.

anläßlich eines interviews mit clint eastwood über seinen neuen film, der die ereignisse um
iwo jima im 2. weltkrieg zum thema hat, erwähnte clint, daß er mal mit einem 90-jährigen
freund spazieren ging. dabei sahen sie einen weitaus jüngeren mann als die beiden und
fanden, daß der junge mann in einem erbärmlichen zustand war.

er war vielleicht 50, wirkte aber auf die beiden wie 70. darauf sagte der ältere von beiden:
"er hat dem alten mann die tür geöffnet."

dies las ich und nahm mir vor, niemals "dem alten mann die tür zu öffnen." denn ich hatte
blitzschnell verstanden, was damit gemeint war.

mir fällt noch etwas ein, das chronologisch interessant ist. ich besitze nur ein einziges schwar-
zes t-shirt, das ich zuletzt vor ca. 10 jahren getragen habe. am 21. januar zog ich es an und
als ich nachmittags aus dem haus gehen wollte, zog ich noch eine schwarze hose an.

vielleicht sollte ich erwähnen, daß ich nie schwarz komplett trage. so ganz in schwarz wollte
ich nicht aus dem haus gehen, es wäre ohnehin nur mit hose und t-shirt zu kalt gewesen. ich
zog also einen weißen pullover darüber. ich wunderte mich über mich, warum das schwarze
t-shirt? ich hatte noch genügend frisch gewaschene. ich konnte es mir nicht erklären und
vergaß es. erst einen tag später erfuhr ich von jürgens tod.

ich war sehr schockiert, als ich hörte, daß jürgen am 18. januar mit einer kopfverletzung tot
in seiner wohnung aufgefunden wurde. ich erfuhr dies durch eine sms von dagmar, einer
freundin von jürgen. man wisse noch nicht, was genau vorgefallen sei. dies würde wohl durch
eine obduktion geklärt werden müssen.

wir hatten noch anfang des jahres telefoniert und er war guter dinge. jürgen wirkte wie
jemand, der mitten im leben stand, und das war wohl auch so. seine arbeit mache ihm spaß
(mal mehr - mal weniger), er wolle ein neues auto kaufen. das auto, das selbst.

er war sogar noch auf seine "alten tage" zum lebensbeamten ernannt worden, sehr unge-
wöhnlich für einen 49-jährigen. 49 ist 7 x 7, astrologisch (und biologisch) auffallend, weil
sich alle 7 jahre saturn in quadratstellung befindet und der mensch sich alle 7 jahre wandelt.

da hatte sich der jürgen also einfach davon gemacht. mit ihm starben am selben tag noch
viele menschen im orkan, aber die wurden wenigstens vom baum erschlagen oder fielen
vom dach. kann das ein trost sein? gestorben waren sie ja auch.

war jürgen einfach tot umgefallen? zu wünschen wäre es ihm, nur unter der vorausset-
zung natürlich, daß sein tod beschlossene sache von gottes weisem und unerforschlichem
ratschluß war. vielleicht hatte er einen herzanfall oder so etwas ähnlich erlitten und war
zusammengebrochen und vielleicht schon tot, als er sich die kopfwunde zuzog. so musste
er nicht lange leiden. erst später erfuhr ich die genaue todesursache.

an anderes wie mord und totschlag wollte ich nicht denken. überfall? rache? raub? nein,
das passte für mich nicht zusammen. nicht bei jürgen.

wenn mich aber jemand gefragt hätte, was meinst du, wer gestorben ist? dann sage ich,
daß ich beim besten weillen dabei nicht auf jürgen gekommen wäre.

jürgen und ich waren einige male zusammen auf reisen in london, ladakh, indien und in den
tiroler bergen zum wandern. wir haben oft über gott und die welt geredet und viele gemein-
samkeiten in den spirituellen betrachtungen gefunden. wir waren brüder im glauben.

jürgen glaubte an das ewige leben, die seelenwanderung und die reinkarnation. wir haben
zusammen einige wochen im ahsram von sai baba in südindien verbracht. wir waren einige
male zu besuch bei einem sufi-meister, scheich nazim, und hatten einige darshans bei
amma, der heiligen mutter aus indien, die schon vor der uno gesprochen hat.

damit soll nur angedeutet werden, daß jürgen sich den ewigen wahrheiten von verschie-
denen seiten aus angenähert und auf seine weise zur erkenntnis gelangt ist.

eines ist für mich völlig klar:
jürgen braucht keinen trost, er ist genau da, wo er glaubte, nach dem tode hinzukommen,
und er hat es dort gut. er wird auch gut in empfang genommen worden sein und gelegent-
lich, sofern es gestattet ist, mit einem lächeln auf uns abschiednehmende und hinterblie-
bene schauen, was wir vielleicht sogar bemerken werden. ich habe keine sekunde ange-
nommen, daß jürgen als befreite seele irgendwelche probleme hat.

aus der bhagavad gita:
so wie der körper sich nach dem bad des neuen kleides erfreut, so erfreut sich die seele
immer wieder an neuen körpern. die seele selbst ist unbrennbar, unzerstörbar und ewig.

es gibt natürlich menschen, die die wiederverkörperung ablehnen und wünschen, in diesem
leben zum letzten mal geboren worden zu sein. wenn es ihnen gelingt, den kreislauf der
wiedergeburt zu unterbrechen, dann haben sie ihr höchstes ziel erreicht.

das ist aber nicht jedem gegeben, und darüber voraussagen zu machen, verbietet sich. man
soll aber die seelen nicht binden und ihnen gestatten, sich nach dem tode langsam von
der erde zu lösen.

nach meiner auffassung kann man gar nicht sterben. was stirbt, ist der körper, der materi-
elle seelenteil. wir sind seelen, die in menschlichen körpern erfahrungen machen.

offenbar hat jürgen genug erfahrungen gemacht, sodaß er abtreten konnte. die frage ist,
ob er das selbst schon so frühzeitig wollte. aber da ist gott vor.

ich las mal etwas über indianer. die sagen beim tode eines menschen: "er hat die welt ge-
wechselt." ja, so wird es sein, für mich ohne zweifel.

jürgen ist uns nur vorausgegangen, wir werden alle folgen und uns wiedersehen.

c. g. jung: der tod ist nicht das ende des lebens: er ist das ziel!

jürgen hat nach c. g. jung sein lebensziel erreicht. das klingt für manchen vielleicht makaber,
aber es ist die reine wahrheit. natürlich war der frühe tod mit ihm nicht abgesprochen. aber
eines bin ich gewiß: hätte gott ihn vorher gefragt, jürgen hätte nicht nein gesagt, weil er
gewußt hätte, daß es unvermeidlich ist. er hätte nicht gebettelt. er mußte auch nicht dran
glauben, er glaubte und er wußte.

die frage, die sich mir stellt, ist, ob er genügend zeit hatte, sich vorzubereiten. beim sekun-
dentod geht es sehr schnell. aber offenbar war niemand bei seinem sterben anwesend, so-
mit bleibt das im dunkeln. wir wissen nicht, ob er ein licht gesehen, durch einen tunnel zu ei-
nem hellen licht gegangen, und von wem er in empfang genommen und zu seinem jetzigen
verweilen geleitet wurde. aber irgendwie so oder ähnlich wird es gewesen sein, was auch
berichte von nahtoderlebnissen nahelegen.

man sagt ja auch: wen die götter lieben, den rufen sie früh zu sich. ob es nun ein gott oder
eine vielzahl götter waren, das ist hier völlig unwichtig. jürgen war beliebt, er wurde geliebt.
auch ich habe ihn als einen guten freund geliebt, der einzigartig, eben ein jürgen briese-
meister war.

ein mensch, über den man redet, der ist nicht wirklich gestorben.

jürgen's einzigartiger humor, seine hintergründigen gedanken, lebensfreude und alles, was
er einem jeden gegegen hat, bleiben unvergessen, es bleibt alles hier. die sufis fragen be-
reits zu lebzeiten: was hast du vorausgeschickt? damit sind gute taten gemeint, die einem im
jenseits die neue existenz erleichtern.

jürgen hat genug vorausgeschickt und nun wurde er selbst auch geschickt, womit niemand
gerechnet hatte und auch nicht rechnen konnte. aber kann im universum irgendetwas ge-
schehen, das nicht genau auf den punkt richtig ist? warum dreht sich die erde und hört
damit nicht für einen sekundenbruchteil auf? dann ginge es uns allen sehr schnell sehr,
sehr schlecht.

warum ist die sonne genau richtig weit weg, um uns zu wärmen und nicht zu verbrennen?
wäre sie weiter weg, würden wir erfrieren.

für wie unwichtig halten wir eine ameise? es liegt in unserer macht, mit ein wenig druck
eines fingers eine ameise zu töten. aber kennst du irgendjemand auf der welt, der dir
eine ameise machen kann? ich meine, eine echte, lebende ameise, kein nanoteilchen.

dieses beispiel bemühend will ich andeuten, daß wir menschen, schon aus einer raum-
station aus betrachtet, mikrobengleiche winzlinge sind, die man von dort nicht mal sehen
kann. aber sind wir angesichts der unendlichkeit des universums (falls es nicht doch ein
ende hat) tatsächlich, was die lebensdauer angeht, nur einmalige eintagsfliegen?

das wiederum glaube ich nicht. das leben und alle existenz sind dafür zu komplex. es
macht keinen sinn, in einen körper eine seele hineinfahren zu lassen und die dann mit
ihm beim tode ebenfalls sterben zu lassen. in den frühen tagen der christenheit war die
wiederverkörperungslehre vorhanden, sie wurde dann zwecks besserer handhabung
der gläubigen, die man ja auch schafe nennt, von den hirten abgeschafft. das ist aber
was für religionsfoscher. empfehle dazu das augen- und ohrenöffnende werk:
die gottes-macher
von michael baigent. gibt es in der stadtbücherei.

nach leibnitz leben wir in der bestmöglichen aller welten, die zwar ideal gesehen, immer
besser, schöner, gerechter sein kann, aber immer nur so ist, wie es die möglichkeiten ge-
rade zulassen.

darum muß auch jürgen die bestmögliche situation getroffen haben, die ihn, ein mysterium,
das leben gekostet, ihm aber auch eine neue form der existenz eröffnet hat. sein tod ist
nicht sinnlos, ich wage hier aber nicht zu sagen: sinnvoll. jeder möge für sich den sinn er-
gründen.

wünschen wir ihm, daß er in guter gesellschaft ist und dort weiterwirken kann. ob er dabei
nun als kosmischer sozialarbeiter oder makler von himmlischen immobilien tätig ist, darüber
kann ich nur spekulieren. aber jürgen, der gerne auch im chor sang, wird wohl kaum den
ganzen lieben himmelstag choräle zur erbauung gottes singen.

das leitet über zur geistigen welt, die man jenseits, paradies oder ewiges leben nennt. ein
jeder macht sich bereits zu lebzeiten darüber (s)eine vorstellung. leider sind wenige beru-
fene prediger unter uns, die näheres erläutern können. fragt man einen pfarrer, wo denn
nun der liebe verstorbene sei, erhält man zur antwort: beim lieben herrn jesus.

ich war ja früher auch mal im kindergottesdienst und kann verstehen, wenn ein kind sich
damit zufrieden gibt. für einen erwachsenen gilt anderes. jürgen war ein spiritueller mensch
und wird seine antworten darauf gefunden haben.

vielleicht hat er erst mal eine zeit lang urlaub, um sich in seinem neuen leben einzufinden,
macht ein paar lehrgänge mit und sucht sich dann etwas passendes neues. ich möchte zu
gerne wissen, wie es ihm da geht und würde mich über eine mitteilung freuen.

ihm wird auf keinen fall langweilig sein. und, denken wir daran: er ist uns nur vorausge-
gangen.

jürgen: friede sei mit dir! amen, amin, om shanti.
lokah samastah sukhino bhavantu (sanskrit: mögen alle wesen glücklich sein).

brian ferry: there is no end to the great unknown. george harrison: all things must pass.
nelly furtado: (why do) all good things come to an end(?)

verse VII
eugen roth

Im Finstern schlagen wir ein Kreuzchen,
Hörn klagen wir das arme Käuzchen.
Vorm Totenvogel jedem grauts.
Und doch, als komisch gilt der Kauz.
Er selbst legt darauf wenig Wert.
Den Eulenspiegel, umgekehrt,
Freut sein spass-vögliges Bestreben:
Es muss auch solche Käuze geben.

jürgen war kein kauz, aber er hatte humor, darum das gedicht von eugen roth.


ein gedicht von inge's tante. inge ist in der theatergruppe, in der jürgen auch eine
zeit lang vor seiner berlin-zeit war, und inge war sehr betroffen, als ich der thea-
tergruppe von seinem tod berichtete, obwohl inge jürgen nie kennenlernte.

Ich leg in Deine guten Vaterhände, was Du an Segen schickst an Freuden schenkst.
Ich weihe Dir die Meinen, die ich liebe, indem du sorgsam ihre Wege lenkst,
ich weihe Dir die Menschen, die ich kenne; führe du sie einmal in den Himmel ein,
ich weihe Dir die Arbeit, die ich schaffe; lass meine schwache Hand gesegnet sein,
ich weihe Dir die Freude des Erfolges, indem ich dankbar deinen Ansporn seh',
ich weihe Dir den Ansturm der Versuchung; gib du mir Kraft, dass ich ihr widersteh',
ich weihe Dir mein Herz und was es einschließt,
ich weihe Dir mein Wollen, gut zu sein,
komm guter Vater, gib mir Deinen Segen, sei bei mir, hilf mir, lass mich nicht allein.


Swami Sivananda:

Gott als das Selbst

Das innerste Selbst im Menschen ist seinem Wesen nach Gott selbst, nichts anderes.
Gott ist das allen innewohnende Selbst.

Es ist unsterblich, absolute Intelligenz, ohne Ursache, ohne Geburt, alldurchdringend,
unzerstörbar, unveränderlich.

Atman, das göttliche Selbst, ist unzerstörbar, ohne ein Außen oder Innen, wie ein Stück
Zucker, das ausschließlich aus Zucker besteht. Das Selbst ist eins, eine Einheit und doch
zu allen Dingen geworden.

Atman ist frei von Unreinheit, Schmerz und Sorge. Das göttliche Selbst handelt nicht
und macht keine Erfahrungen. Es kann auch nie das Objekt einer Erfahrung werden.

Das, wodurch der Jiva, die individuelle Seele, das Selbst erfährt oder erlebt, ist das
Bewusstsein (Prajnana).

So wie der Fluss endlich im Meer seine Ruhestatt findet, findet der Mensch, die einzelne
individuelle Seele, ihre Ruhestatt im Höchsten Selbst, im Unendlichen, Grenzenlosen.

Der verborgene Schatz

Atman, die Höchste Seele, ist der verborgene Schatz im Innern deines Herzens. Blicke
nach innen. Meditiere und empfange diesen Schatz aller Schätze. Das Höchste Selbst ist
frei von Alter und Tod, von Hunger und Durst und frei von Wünschen. Erkenne Es, finde
Es und werde frei!

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vor einigen wochen habe ich mir ein buch ausgeliehen: "spiegelbild der sterne" von mi-
chael baigent. wie das schon mal so ist, legt man ein buch zur seite und vergißt es fast.
erst heute, am 04.02.2007 öffnete ich das buch wieder, genau auf seite 132 befand sich
das lesezeichen, versehen mit einem spruch von cheng chao:
"ein buch ist ein garten in der tasche."

merkwürdigerweise, wie Sie gleich sehen werden, fand ich dies:
"im corpus hermeticum
ist von einer geheimnisvollen reise die rede, die offenbar eine
reise des ba ist:
... befiehl deiner seele, nach indien zu reisen, und schneller als dein befehl wird sie dort
sein. befiehl ihr dann, zum ozean zu gehen, und so wird sie ... in kürze dort sein, nicht
als ob sie von einem ort zum anderen ginge, sondern als ob sie (längst) dort wäre.
befiehl ihr, auch in den himmel hinaufzufliegen, und sie wird keine flügel benötigen." *1

im weiteren verlauf werden reinkarnationstheorien behandelt und fälle erwähnt, wo
sich menschen nachweisbar an frühere leben erinnern, was für jürgen kein hokus
pokus war.

ein schwer krebskranker mann, bereits über eineinhalb jahre in einem "hospiz für un-
heilbar kranke"
, wähnt sich sterbend, erwacht allerdings wieder und ist kurze zeit da-
rauf geheilt.
*2

was er berichtet, ist einzigartig und lädt zum nachdenken ein:
"plötzlich war ich hellwach und stand auf, obwohl mein körper im bett lag. ... ein licht
leuchtete und ich wandte mich ihm zu. ... als ich begann, mich auf dieses licht zuzube-
wegen, wußte ich intuitiv, daß ich tot sein würde, wenn ich es erreichte. ... sagte ich:
'einen moment bitte, nur einen kleinen moment. ich will erst darüber nachdenken, ich
will mit dir sprechen, bevor ich gehe.'

zu meiner überraschung kam die ganze erfahrung in diesem augenblick zum stillstand.
... meiner bitte wurde stattgegeben, und ich unterhielt mich mit dem licht. es nahm da-
bei ständig eine andere gestalt an, die von jesus, buddha, krishna, von mandalas, arche-
typischen bildern und zeichen. ich fragte das licht: 'was geht hier vor?' ... die information,
die ich übermittelt bekam, lautete, daß der jeweilige glaube die art von feedback be-
stimmt, die man von dem licht bekommt. wenn man buddhistisch, katholisch oder funda-
mentalistisch orientiert war, bekommt man seine eigenen sachen zurückgespiegelt. ...

während das licht sich mir offenbarte, wurde mir bewußt, daß ich in wirklichkeit das ur-
muster unseres höheren selbst vor mir hatte. wir alle besitzen ein höheres selbst, eine
überseele als teil unseres wesens, die sich mir da in ihrer reinsten energetischen form
offenbarte.

eigentlich kann ich es nur so beschreiben, daß das wesen des höheren selbst einem ka-
nal ähnelt; ... es ist eine direkte verbindung zu der quelle, über die jeder von uns ver-
fügt. wir sind direkt mit dieser quelle verbunden."
*2

noch mehr über derartiges weiß
edgar cayce.




 

 

 


anekdoten und reiseberichte

indien und ladakh 1995

zufällig fand ich eine tagebuchaufzeichnung aus der zeit.

"endlich ging es los. ich hatte kein reisefieber, wie offenbar jürgen, mit dem ich die reise
geplant hatte. er wollte immer schon mal nach indien. ich war erst letztes jahr dort gewe-
sen. aber nun war auch noch die pest ausgebrochen. wie sagte der prophet dazu:

reise nicht in ein land, in dem die pest ausgebrochen ist, aber reise auch nicht ab, wenn
du von ihr überrascht wirst. wir wollten zu seiner HEILIGKEIT SRI SATHYA SAI BABA fahren
und fühlten uns entsprechend geschützt durch den segen von ihm. auch waren keine orakel
in form von schlechten träumen eingetroffen, die eine klare botschaft beinhalteten der art,
daß es besser sei, nicht zu reisen. zudem war unsere erste station neu-delhi, wo wir bei
simone wohnen würden, die vor einem halben jahr nach indien zum dienst an die deutsche
botschaft gekommen war. sie wirkte dort beim gesundheitsdienst mit und würde uns sicher
ganz genau sagen können, wo wir besser nicht hinfahren sollten.

nein, reisefieber hatte ich nicht. ich sagte zu jürgen im scherz, daß ich im hier-und-jetzt
leben würde und da hat man erst reisefieber, wenn man reist und nicht schon vorher. ein
hund hat sicher dann speichelfluß, wenn er das essen riecht, was auch bei menschen vor-
kommen kann. aber selbst der hund reagiert nicht, wenn man ihm vom fressen erzählt.

er muß es eben riechen. so geht es mir auch. ich muß erst riechen. ob die hunde auch besser
im hier-und-jetzt sein können? ich dachte an kinder, die sich auch schon wochen vorher auf
weihnachten freuen können, das heute, es ist vollmond und der 18.11.1994, nicht mehr ferne
ist. wir hatten einen preiswerten flug für dm 1200,- gefunden. direktflug frankfurt-delhi, zu-
rück sollte es über bombay gehen. meine eltern riefen an, ob ich es mir nicht überlegen
wollte.

schließlich sei in indien die pest ausgebrochen. ich war tatsächlich selbst ein wenig beun-
ruhigt. hatten sie recht? aber tief in mir wußte ich: diese schreckliche krankheit ist nicht für
dich bestimmt. später, als wir schon längst wieder heil zurück waren, erfuhr ich, daß die indi-
sche regierung eine kommission der who eingesetzt hatte, um zu klären, warum nicht mehr
menschen bei dieser höchst infektiösen krankheit zum beispiel in familien gestorben seien,
wo wenigstens einer erkrankte.

nach der wahrscheinlichkeit hätten dann alle in der familie, oder aber mehr als einer erkran-
ken müssen. das war es! endlich war mir klar, was ich vorher nur unterschwellig geahnt
hatte: die krankheit war nur für bestimmte menschen bestimmt. und nur diese erkrankten
daran, wie gut sie sich auch zu schützen wußten.

wir hatten tetracyclin dabei und mundschutz und setzten doch nichts davon ein. mir fiel noch
paracelsus ein, der gesagt hatte, daß die angst vor der krankheit schlimmer als die krankheit
selbst sei. als unbedingter anhänger der karma-lehre hätte mir das alles aber auch vor der
reise klar sein können, sonst hätte ich nicht selbst gezweifelt.

wir flogen mit air india und hatten einen schönen flug. ankunft delhi. lärmende kofferträger
und auf sich aufmerksam machende taxifahrer. wir nehmen ein prepaid taxi, d.h., wir be-
zahlen vor fahrtantritt. mehr gibt's dann eben nicht.

es ist nacht gegen zwei uhr. als wir am haus von simone ankommen, sehen wir einen wach-
mann, der offenbar informiert ist, aber uns dennoch zu warten bittet, als würde er der sache
selbst nicht trauen.

eine hausdame kommt, zeigt uns unser zimmer und bittet uns ins wohnzimmer. simone
kommt im t-shirt und slip, uns zu begrüßen. wir sinken aufs lager und schlafen erst mal aus.
ich habe bis dahin zwölf tage gefastet. zum frühstück macht die haushälterin obstsalat mit
yoghurt. es gibt kaffee. wir haben einige päckchen kaffee, tee und musikkassetten, sogar
ein frisches brot aus dem bioladen mitgebracht.

simones vater ist da, ihr ehemann und der hund. wir lassen alles langsam angehen. klei-
nere ausflüge in die stadt. tempel mit einem riesenturm, die eiserne säule, die man um-
schließen muß, dann hat man glück. das museum verdienter inder, u.a. auch gandhi,
selbst vivekananda.

tagsüber ist es sehr heiß, aber abends kühlt es ab. es sind dann vielleicht noch 25 grad.
aus dem fluß steigen elefanten. simones mann will reiten. sie bekommt fast einen anfall.
die pest. elefanten haben doch flöhe. stimmt. dennoch müssen wir ein bakshish hinterher-
werfen. lösegeld. kurzer sprung."

von delhi flogen wir nach srinargar in kashmir und wohnten in einem alten hotel-haus-
boot auf dem dal-see. wir waren die einzigen gäste, und in srinargar wimmelte es nur
so von indischen soldaten und spezialkräften mit schwarzen kopftüchern, wie man es aus
piratenfilem kennt. die lage war nicht unbedrohlich, was uns nicht entging.

wir machten sogar einige ausflüge mit einem uralten taxi ins landesinnere, um eine sehr
alte moschee zu besichtigen. ein jahr später wurden touristen entführt, von einem wurde
der kopf gefunden. wir betrachteten uns als "spiritual travellers" und waren sicher.

mit bus ging es weiter nach ladakh in die hauptstadt leh auf 3500 m höhe. wir fanden
schnell ein preiswertes hotel, in dem jeder eimer warmes wasser zum waschen (kipp
es drüber) extra bezahlt werden mußte. am ersten abend durchstreiften wir die stadt
und waren ziemlich übellaunig. das kam sehr selten vor, aber beide gleichzeitig?

wir kamen an einem für touristen bestimmen info-schild vorbei. dort stand sinngemäß,
daß es normal sei, wenn man sich auf 3500 m höhe begebe, daß man dann gereizt sein,
unter kopfschmerzen leiden könne usw. wir hatten die erklärung, aber die laune wurde
dadurch nicht schlagartig besser. wir mußten uns eben erst einmal akklimatisieren.

wir machten einige ausflüge ins landesinnere zu buddhistischen klöstern. ich habe noch
immer das foto eines goldenen buddhas, das wir später vergrößerten. jürgen hatte es
auch. wir
aßen regelmäßig abends warm. ein findiger restaurantbesitzer tischte gemüse
mit bratkartoffeln und knoblauch auf. das war mal anderes als immer nur reis.

die hauptsatdt leh hat im grunde eine große hauptstraße, an die sich laden an laden
reiht. die touristen wollen und sollen shoppen. der winter beschert den einheimischen
einen sieben monate langen winter, wobei die touristen dann fernbleiben.

zurück ging es per flugzeug durch ein beängstigend enges tal richtung delhi mit einem
wunderbaren ausblick auf die berge des himalayas. man konnte förmlich dabei zusehen,
wie sich die atmosphähre verdunkelte und den dreck ahnen, der in der luft lag, denn
unter uns sahen wir immer mehr offene feuerstellen und den smog von delhi.

wir verbrachten noch einige tage bei unseren vorherigen gastgebern und
gelangten über
bombay wir nach bangalore und weilten einige zeit im ashram bei sai baba, wo wir an
den täglichen darshans teilnehmen, manchmal mehrmals. wir hatten eine private unter-
kunft in einer familie gefunden und genossen eine schöne zeit.

mancher hatte mich später gefragt, ob denn da nichts spektakuläres passiert sei? ich
hatte ein erlebnis, das sich mehrfach wiederholte. wenn in der großen halle die men-
schen erwartungsvoll auf sai baba warteten, hatte ich, und das wiederholte sich noch
einige male, das klare gefühl, als würde sich in dem moment, wenn sai baba den saal
betrat, das an sich schon helle licht, um einiges verfielfachen, so, als würde noch eine
sonne zusätzlich scheinen.

für mich war das ein greifbarer beweis für die von sai baba ausgehende strahlkraft, denn
dieses unmittelbare gefühl der anhebung der gesamten aura um mich herum, löste sich
immer recht schnell, wenn sai baba den saal verließ. spektiker mögen vermuten, daß die
hauselektriker an den spannungsgreglern saßen. weiß man's?

das messer
im jahre 1994 wohnte ich bei jürgen in einem alten haus mit ofenheizung(en). war man
länger als 8 stunden außer haus, wurde es ungemütlich kalt, vor allem, wenn es winter
war. wir bildeten eine wg und hatten keinen streß. wir hatten sogar die übereinkunft,
daß jeder mindestens einmal in der woche für den anderen mitkocht.

jürgen zeigte sich dabei als kreativer koch. einmal gab es brennessel-bratlinge. ich
fragte, von wo denn die nessel seien. vom hof. aha. ich fragte, ob er denn sicher sei,
daß da nicht mal ein hund... . nein, nein, er habe es schon gut gewaschen. und es war
ihm wirklich gut gelungen. ab und an verschwand mal ein küchenmesser. jürgen hatte
die angewohnheit, bioabfälle in etwas zeitung zu packen und dann in den küchenherd zu
werfen. dabei verbrannte dann schon mal ein küchenmesser, was man später in der asche
sehen konnte.

irgendwann später schenkte mir jürgen ein ebensolches solinger küchenmesser, was ich
bis auf den heutigen tag benutze, und es ist immer noch sauscharf!


berlin
dann endete die wg, weil jürgen nach berlin ging. von der damaligen wohnungsauflö-
sung habe ich immer noch einen alten ohrensessel. in berlin ging es hin und her, auf
und ab.

er wurde in einer arbeitsstelle übel gemobbt. man nahm termine für ihn an, sagte ihm
aber nichts. wenn die dann platzten, wußte man von nichts. am ende war er den job
los. er war wieder arbeitslos, wie vorher eine zeit lang in hatterscheid.

ich weiß noch, daß wir telefonierten und ich ihm sagte: dafür hättest du nicht nach ber-
lin gehen müssen, arbeitslos hättest du auch hier sein können bzw. bleiben können.

das war halb im scherz und halb ernst gemeint. natürlich hatte er nach berlin gehen
müssen, um seine chancen zu nutzen.

in den letzten tagen fiel mir ein musikstück ein, daß schon recht betagt ist. es stammt
wohl aus den späten 60er-jahren und ist von john mayall, der blues legende, wo un-
teren anderen eric clapton lernte. das stück heißt: the death of j.b. lenoir und be-
schreibt den tod eines guten freundes durch einen autounfall.

warum kam mir das in den sinn? ist schon klar, aber da war noch etwas. j.b. das sind
doch die initialen von jürgen briesemeister.


das pony
nein, jürgen war kein reiter. wenn er mich besuchte, oder wenn wir unterwegs waren,
konnte es vorkommen, daß er folgendes ausrief: "ich habe durst wie ein pony." darauf
konnte er einen liter milch oder mehr in einem zug trinken.

das negerklischee
was ist damit gemeint? klischees über farbige, schwarze, nicht ganz politisch korrekt
ausgedrückt? neger sagt man ja nicht mehr. ich erinnere mich noch an den nickenden
neger, der im kindergottesdienst herumgereicht wurde. ein kleines kästchen mit einem
kleinen afrikaner oben drauf. wenn man das geld in den schlitz warf, nickte der neger.
er freute sich über die spende. das geschah im kindergottesdienst. besondes gut ent-
sinne ich mich daran, daß es regelrechte wortkämpfe gab, die zum inhalt die frage
hatten: "kann ich heute den neger haben". der stolze junge mensch wandelte dann
mit dem neger durch die reihen und sammelte die kollekte ein, die ein jeder in den
schlitz warf. und jedes mal nickte der neger. übrigens: schwarze kann man ja durch-
aus gelten lassen, aber farbige? sind die bunt? wir sind ja auch nicht richtig weiß.
eher rosa. bitte jetzt nicht an das tier denken.

nun, das war eine lange vorrede zum negerklischee. jürgen meinte etwas ganz ande-
res. wir waren mal auf reisen in london und übernachteten in nottinghill. dort gab's
kleine shops, in denen man rund um die uhr einkaufen konnte. wir holten uns oft
abends leckere somosas. das hotel, es hieß, glaube ich trebovir hotel, zeichnete sich
durch geringe preise aus, dafür hatten wir gesellschaft von dort untergebrachten
sozialhilfeempfängern und prostituierten. das klopapier war, sobald man eine neue
rolle entdeckte, blitzschnell versxhwunden, mal beschlagnahmten wir es, mal die
anderen. es war gut, immer einen vorrat auf dem zimmer zu haben. wir hatten ein
zimmer gemeinsam und die betten standen auseinander.

jeder von uns behauptete, daß der andere schnarche: nur man selbst natürlich nicht.
besonders lustig war es, als wir "cacerlakes" entdeckten und dies der ziemlich herun-
tergekommenen, schlampigen, doch sehr freundlichen inhaberin mitteilten. was wir
denn nur hätten: es sein doch ein"cosy room." wir hatten ein neues wort gelernt.

eines abends wühlte jürgen in seinen sachen. er wollte sich bettfertig machen. "wo
ist denn nur mein negerklischee", rief er. ich verstand bahnhof, denn besonders nachts
konnten wir die züge vom nahegelegenen bahnhof hören. jürgen klärte mich auf, daß
er nach seinem schlafanzug suche, seinem neglige, das er negerklischee aussprach.
das war eines surrealisten würdig.

schon früh hatte ich mich mit denen beschäftigt und war von dieser, leider unvoll-
ständigen definition (aus faz-online) begeistert:

"schönheit definierten die surrealisten mit lautréamont als "die zufällige begegnung
eines regenschirms und einer nähmaschine auf dem seziertisch" - die überraschende
kombination miteinander unvereinbarer elemente, deren tieferer zusammenhang
sich nur einer Logik des Traums erschließt."


hier wird vergessen, daß max ernst die aussage um einen wichtigen faktor steigerte,
denn er fügte hinzu: "und der funke poesie, der bei der annäherung der an sich we-
sensfremden elemente überspringt." und genau so etwas gelang jürgen mitunter auf
seine art, wozu er sich nicht anstrengen mußte, es floß aus ihm heraus.


wenn ich das in meinem club erzähle, dachte ich da so manches mal. als sprachkünst-
ler war jürgen nicht immer gut auf meine eigenen bemühungen zu sprechen. ich hatte
und habe die angewohnheit, worte zu verdrehen und umzubauen.

dies passiert mittlerweile vollautomatisch. Sie müssen sich nur vorstellen, daß da ein
bestimmtes wort in meinem kopf erscheint und sich selbst herumdreht. sagen wir mal:
statistisches bundesamt. daraus kann dann ohne weiteres buddhistisches standesamt
werden. land der dichter und denker? - richter und henker. das ist keine verdrehung,
eher reimung oder dichtung.

wie wäre es mit:
die reihen lichten sich - die laien richten sich oder: die leitenden reichen - die reitenden
leichen. so kann man auch zur vorübergehenden erkenntnis gelangen. mit anagrammen
läßt sich das ganze noch unendlich steigern.

das anagramm für jürgen briesemeister eröffnet 1328 möglichkeiten. nr. 1322: "ibm
regenerierte jesus." man kann darüber denken, wie man will: immerhin kommt jesus
vor. Sie kommen nicht drauf, was man aus angela merkel machen kann.

so war ich also oft ziemlich stolz auf eine neue sprachliche umgestaltung, aber jürgen
fand's nur zum gähnen.

"ja und den rest?" so fragte er mich einmal. ob ich denn keinen friseur hätte. ich fragte:
" wieso?" ja, dem könnte ich dann den rest erzählen oder ihn auf die b-seite aufnehmen.
er unterstellte mir damit, daß ich eine schallplatte, nämlich die a-seite abspielte.

das alles änderte aber nichts an unserer gegenseitigen wertschätzung, und ich war un-
glaublich penetrant. sobald ich eine neue schöpfung hatte, teilte ich sie ihm mit, und
eines tages überraschte er mich selbst mit solchem material. meine taktik hatte sich
ausgezahlt bzw. der bazillus war ansteckend.

das video
ich habe noch ein sekunden-video von jürgen gefunden. es entstand anläßlich seines
besuchs am 03. september 2003 bei mir in troisdorf. ich sagte jürgen, er solle mal was
sagen, damit ich auch seine stimme auf den film drauf bekomme. ich verhielt mich wie
jemand, der beim photographieren: "bitte lächeln" sagt.

mit seiner eigenen art, nämlich nicht auf das einzugehen, was ich wollte, beantwortete
jürgen das: eine art rap entstand, an dem ich mich auch beteiligte.

bitte auf den lautsprecher clicken für die anrufbeantworteransage. auf der sich öff-
nenden seite befindet sich auch der kurze ausschnitt "maa ganga", übersetzt mutter
ganges, der heilige fluß. ich fragte in indien an, ob ich die musik auf dieser seite ab-
spielen dürfe und erhielt folgende antwort:

"Dear Mr Martin,
Im happy that you like our music. for sure you can use the sound of our song if it makes
your friends soul feel good i think that will make us happy too.
yours, Deobrat Mishra."

noch ein mitschnitt. jürgen rief mich einmal an und sang dabei auf den anrufbeantworter.
da ich selbst meine ansage gesungen hatte, war es für manch einen, wie auch für jürgen,
klar, daß man auch singend antworten kann.

er singt: "ich hab' einen koffer aus berlin, der kommt eigentlich doch aus hatterscheid
dahin und wenn du zeit hast, ruf mich einfach mal zurück." es wird deutlich, daß jürgen,
der bekanntlich gut singen konnte, sich einen spaß mit diesem gesang machte, der mich
bewog, diesen tonschnipsel zu bewahren. jürgen mochte auch jazz, und ich finde: das
ist jazz! vielleicht hat es auch etwas von herrn valentin.

 

 



em@il

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*1 michael baigent, spiegelbild der sterne, s. 133

*2 michael baigent, spiegelbild der sterne, s. 224-225