
zum tode eines nichtalltäglichen
menschen an einem ebenso außergewöhnlichen
tag. wer
war jürgen briesemeister? geboren am 03.07.1957, starb er zwischen
dem 17. und 18.01.2007 in berlin, während draußen der orkan kyrill
tobte.
daß man jürgens stimme noch einmal hören kann, mag für
den einen makaber erscheinen, ich
meine es aber als hommage an jürgen, den neben vielen anderen vorzügen
auch eine sympa-
thische stimme auszeichnete. ich habe nach seinem tod bei ihm angerufen und
als der ab
ansprang, meinen alten kassettenrekorder geschnappt und seine stimme aufgenommen.
der meister der briese ist an einem tag gestorben, wo kein laues lüftchen
sich regte, son-
dern der orkan kyrill einigen zum verhängnis wurde. nebenbei waren es,
wie die medien
vermelden, 60 millionen entwurzelte bäume europaweit, 40 millionen in deutschland.
auch
das ist unfassbar. jürgen starb wohl in seiner wohnung. die genauen umstände
sind mir
unbekannt.
so
um die mitte des monats januar, ich war gerade zu bett gegangen, hörte
ich ein käuz-
chen. ich kannte den volkstümlichen glauben, daß, wenn ein käuzchen
wehklagt, jemand
stirbt oder sterben muß. dies kam mir unwillkürlich in den sinn.
ich dachte: wen mag es
treffen?
der
gesang dieses vogels kommt mir immer unheimlich vor, und ich kann nicht sagen,
wann
ich ihn zuletzt bewußt wahrgenommen habe.
es
zog sich eine weile hin und ich ging so meinen gedanken nach, schlief darüber
ein und
vergaß es am nächsten morgen, maß ihm keine gesteigerte bedeutung
bei.
an
alles mögliche dachte ich, nur nicht, daß es jürgen sein sollte,
wenn überhaupt er damit
gemeint war. aber jetzt im nachhinein betrachtet, macht es sinn.
der
sprung vom käuzchen zum kauz bietet sich an. aber war jürgen ein kauz?
nein, er konnte
aber locker den schalk herauslassen, was ich mehrmals erleben durfte. er hatte
einen nicht
alltäglichen humor, er war überhaupt nicht eindimensional, sondern
tiefgründig und konnte
dabei sehr ernst sein. er hatte eine klare philosophie vom leben und marc aurel
war ihm
nicht fremd.
jürgen war sensibel, empfindsam und manchmal auch empfindlich. das wort
laune verbietet
sich, stammt jedoch von luna, nebenbei bemerkt sein sonnenzeichen, was aber
nur von be-
deutung für eingeweihte und interessierte ist. fly me to the moon war ein
lied, das er moch-
te. irgendwo hörte ich einmal, daß der mond so eine art relaisstation
für die seelen der ver-
storbenen sei bis zur weiterreise, eine vorstellung, über die ich mit jürgen
vortrefflich hätte
diskutieren können.
jürgen war großzügig und kein erbsenzähler, was er mir
schon einmal zu recht vorwarf. er
war sicher einzigartig und hatte einen wunderschönen nachnamen. nomen est
omen. der
meister der briese. er hieß ja eben nicht kleinschmidt oder müller.
jürgen war auch kein herr
meyer oder herr unwichtig.
er
war andererseits aber auch kein, wie mein verstorbener vater heinrich gerne
über be-
stimmte typen sagte: "männeken wichtig." jürgen fiel auf,
was nicht nur an seiner höhe und
größe in cm lag. auf englisch: the real measure of greatness can't
be found on a yardstick.
auf deutsch: wahre größe findet man nicht mit dem zollstock.
anläßlich
eines interviews mit clint eastwood über seinen neuen film, der die ereignisse
um
iwo jima im 2. weltkrieg zum thema hat, erwähnte clint, daß er mal
mit einem 90-jährigen
freund spazieren ging. dabei sahen sie einen weitaus jüngeren mann als
die beiden und
fanden, daß der junge mann in einem erbärmlichen zustand war.
er
war vielleicht 50, wirkte aber auf die beiden wie 70. darauf sagte der ältere
von beiden:
"er hat dem alten mann die tür geöffnet."
dies las ich und nahm mir vor, niemals "dem alten mann die tür zu
öffnen." denn ich hatte
blitzschnell verstanden, was damit gemeint war.
mir fällt noch etwas ein, das chronologisch interessant ist. ich besitze
nur ein einziges schwar-
zes t-shirt, das ich zuletzt vor ca. 10 jahren getragen habe. am 21. januar
zog ich es an und
als ich nachmittags aus dem haus gehen wollte, zog ich noch eine schwarze hose
an.
vielleicht sollte ich erwähnen, daß ich nie schwarz komplett trage.
so ganz in schwarz wollte
ich nicht aus dem haus gehen, es wäre ohnehin nur mit hose und t-shirt
zu kalt gewesen. ich
zog also einen weißen pullover darüber. ich wunderte mich über
mich, warum das schwarze
t-shirt? ich hatte noch genügend frisch gewaschene. ich konnte es mir nicht
erklären und
vergaß es. erst einen tag später erfuhr ich von jürgens tod.
ich war sehr schockiert, als ich hörte, daß jürgen am 18. januar
mit einer kopfverletzung tot
in seiner wohnung aufgefunden wurde. ich erfuhr dies durch eine sms von dagmar,
einer
freundin von jürgen. man wisse noch nicht, was genau vorgefallen sei. dies
würde wohl durch
eine obduktion geklärt werden müssen.
wir hatten noch anfang des jahres telefoniert und er war guter dinge. jürgen
wirkte wie
jemand, der mitten im leben stand, und das war wohl auch so. seine arbeit mache
ihm spaß
(mal mehr - mal weniger), er wolle ein neues auto kaufen. das auto, das selbst.
er war sogar noch auf seine "alten tage" zum lebensbeamten ernannt
worden, sehr unge-
wöhnlich für einen 49-jährigen. 49 ist 7 x 7, astrologisch (und
biologisch) auffallend, weil
sich alle 7 jahre saturn in quadratstellung befindet und der mensch sich alle
7 jahre wandelt.
da
hatte sich der jürgen also einfach davon gemacht. mit ihm starben am selben
tag noch
viele menschen im orkan, aber die wurden wenigstens vom baum erschlagen oder
fielen
vom dach. kann das ein trost sein? gestorben waren sie ja auch.
war
jürgen einfach tot umgefallen? zu wünschen wäre es ihm, nur unter
der vorausset-
zung natürlich, daß sein tod beschlossene sache von gottes weisem
und unerforschlichem
ratschluß war. vielleicht hatte er einen herzanfall oder so etwas ähnlich
erlitten und war
zusammengebrochen und vielleicht schon tot, als er sich die kopfwunde zuzog.
so musste
er nicht lange leiden. erst später erfuhr ich die genaue todesursache.
an
anderes wie mord und totschlag wollte ich nicht denken. überfall? rache?
raub? nein,
das passte für mich nicht zusammen. nicht bei jürgen.
wenn
mich aber jemand gefragt hätte, was meinst du, wer gestorben ist? dann
sage ich,
daß ich beim besten weillen dabei nicht auf jürgen gekommen wäre.
jürgen
und ich waren einige male zusammen auf reisen in london, ladakh, indien und
in den
tiroler bergen zum wandern. wir haben oft über gott und die welt geredet
und viele gemein-
samkeiten in den spirituellen betrachtungen gefunden. wir waren brüder
im glauben.
jürgen
glaubte an das ewige leben, die seelenwanderung und die reinkarnation. wir haben
zusammen einige wochen im ahsram von sai baba in südindien verbracht. wir
waren einige
male zu besuch bei einem sufi-meister, scheich nazim, und hatten einige darshans
bei
amma, der heiligen mutter aus indien, die schon vor der uno gesprochen hat.
damit
soll nur angedeutet werden, daß jürgen sich den ewigen wahrheiten
von verschie-
denen seiten aus angenähert und auf seine weise zur erkenntnis gelangt
ist.
eines ist für mich völlig klar:
jürgen braucht keinen trost, er ist genau da, wo er glaubte, nach dem tode
hinzukommen,
und er hat es dort gut. er wird auch gut in empfang genommen worden sein und
gelegent-
lich, sofern es gestattet ist, mit einem lächeln auf uns abschiednehmende
und hinterblie-
bene schauen, was wir vielleicht sogar bemerken werden. ich habe keine sekunde
ange-
nommen, daß jürgen als befreite seele irgendwelche probleme hat.
aus
der bhagavad gita:
so wie der körper sich nach dem bad des neuen kleides erfreut, so erfreut
sich die seele
immer wieder an neuen körpern. die seele selbst ist unbrennbar, unzerstörbar
und ewig.
es
gibt natürlich menschen, die die wiederverkörperung ablehnen und wünschen,
in diesem
leben zum letzten mal geboren worden zu sein. wenn es ihnen gelingt, den kreislauf
der
wiedergeburt zu unterbrechen, dann haben sie ihr höchstes ziel erreicht.
das
ist aber nicht jedem gegeben, und darüber voraussagen zu machen, verbietet
sich. man
soll aber die seelen nicht binden und ihnen gestatten, sich nach dem tode langsam
von
der erde zu lösen.
nach
meiner auffassung kann man gar nicht sterben. was stirbt, ist der körper,
der materi-
elle seelenteil. wir sind seelen, die in menschlichen körpern erfahrungen
machen.
offenbar
hat jürgen genug erfahrungen gemacht, sodaß er abtreten konnte. die
frage ist,
ob er das selbst schon so frühzeitig wollte. aber da ist gott vor.
ich
las mal etwas über indianer. die sagen beim tode eines menschen: "er
hat die welt ge-
wechselt." ja, so wird es sein, für mich ohne zweifel.
jürgen ist uns nur vorausgegangen, wir werden alle folgen und uns wiedersehen.
c. g. jung: der tod ist nicht das ende des lebens: er ist das ziel!
jürgen
hat nach c. g. jung sein lebensziel erreicht. das klingt für manchen vielleicht
makaber,
aber es ist die reine wahrheit. natürlich war der frühe tod mit ihm
nicht abgesprochen. aber
eines bin ich gewiß: hätte gott ihn vorher gefragt, jürgen hätte
nicht nein gesagt, weil er
gewußt hätte, daß es unvermeidlich ist. er hätte nicht
gebettelt. er mußte auch nicht dran
glauben, er glaubte und er wußte.
die
frage, die sich mir stellt, ist, ob er genügend zeit hatte, sich vorzubereiten.
beim sekun-
dentod geht es sehr schnell. aber offenbar war niemand bei seinem sterben anwesend,
so-
mit bleibt das im dunkeln. wir wissen nicht, ob er ein licht gesehen, durch
einen tunnel zu ei-
nem hellen licht gegangen, und von wem er in empfang genommen und zu seinem
jetzigen
verweilen geleitet wurde. aber irgendwie so oder ähnlich wird es gewesen
sein, was auch
berichte von nahtoderlebnissen nahelegen.
man
sagt ja auch: wen die götter lieben, den rufen sie früh zu sich. ob
es nun ein gott oder
eine vielzahl götter waren, das ist hier völlig unwichtig. jürgen
war beliebt, er wurde geliebt.
auch ich habe ihn als einen guten freund geliebt, der einzigartig, eben ein
jürgen briese-
meister war.
ein mensch, über den man redet, der ist nicht wirklich gestorben.
jürgen's
einzigartiger humor, seine hintergründigen gedanken, lebensfreude und alles,
was
er einem jeden gegegen hat, bleiben unvergessen, es bleibt alles hier. die sufis
fragen be-
reits zu lebzeiten: was hast du vorausgeschickt? damit sind gute taten gemeint,
die einem im
jenseits die neue existenz erleichtern.
jürgen
hat genug vorausgeschickt und nun wurde er selbst auch geschickt, womit niemand
gerechnet hatte und auch nicht rechnen konnte. aber kann im universum irgendetwas
ge-
schehen, das nicht genau auf den punkt richtig ist? warum dreht sich die erde
und hört
damit nicht für einen sekundenbruchteil auf? dann ginge es uns allen sehr
schnell sehr,
sehr schlecht.
warum
ist die sonne genau richtig weit weg, um uns zu wärmen und nicht zu verbrennen?
wäre sie weiter weg, würden wir erfrieren.
für
wie unwichtig halten wir eine ameise? es liegt in unserer macht, mit ein wenig
druck
eines fingers eine ameise zu töten. aber kennst du irgendjemand auf der
welt, der dir
eine ameise machen kann? ich meine, eine echte, lebende ameise, kein nanoteilchen.
dieses beispiel bemühend will ich andeuten, daß wir menschen, schon
aus einer raum-
station aus betrachtet, mikrobengleiche winzlinge sind, die man von dort nicht
mal sehen
kann. aber sind wir angesichts der unendlichkeit des universums (falls es nicht
doch ein
ende hat) tatsächlich, was die lebensdauer angeht, nur einmalige eintagsfliegen?
das wiederum glaube ich nicht. das leben und alle existenz sind dafür zu
komplex. es
macht keinen sinn, in einen körper eine seele hineinfahren zu lassen und
die dann mit
ihm beim tode ebenfalls sterben zu lassen. in den frühen tagen der christenheit
war die
wiederverkörperungslehre vorhanden, sie wurde dann zwecks besserer handhabung
der gläubigen, die man ja auch schafe nennt, von den hirten abgeschafft.
das ist aber
was für religionsfoscher. empfehle dazu das augen- und ohrenöffnende
werk:
die gottes-macher von michael baigent. gibt es in der stadtbücherei.
nach
leibnitz leben wir in der bestmöglichen aller welten, die zwar ideal gesehen,
immer
besser, schöner, gerechter sein kann, aber immer nur so ist, wie es die
möglichkeiten ge-
rade zulassen.
darum
muß auch jürgen die bestmögliche situation getroffen haben,
die ihn, ein mysterium,
das leben gekostet, ihm aber auch eine neue form der existenz eröffnet
hat. sein tod ist
nicht sinnlos, ich wage hier aber nicht zu sagen: sinnvoll. jeder möge
für sich den sinn er-
gründen.
wünschen
wir ihm, daß er in guter gesellschaft ist und dort weiterwirken kann.
ob er dabei
nun als kosmischer sozialarbeiter oder makler von himmlischen immobilien tätig
ist, darüber
kann ich nur spekulieren. aber jürgen, der gerne auch im chor sang, wird
wohl kaum den
ganzen lieben himmelstag choräle zur erbauung gottes singen.
das leitet über zur geistigen welt, die man jenseits, paradies oder ewiges
leben nennt. ein
jeder macht sich bereits zu lebzeiten darüber (s)eine vorstellung. leider
sind wenige beru-
fene prediger unter uns, die näheres erläutern können. fragt
man einen pfarrer, wo denn
nun der liebe verstorbene sei, erhält man zur antwort: beim lieben herrn
jesus.
ich war ja früher auch mal im kindergottesdienst und kann verstehen, wenn
ein kind sich
damit zufrieden gibt. für einen erwachsenen gilt anderes. jürgen war
ein spiritueller mensch
und wird seine antworten darauf gefunden haben.
vielleicht hat er erst mal eine zeit lang urlaub, um sich in seinem neuen leben
einzufinden,
macht ein paar lehrgänge mit und sucht sich dann etwas passendes neues.
ich möchte zu
gerne wissen, wie es ihm da geht und würde mich über eine mitteilung
freuen.
ihm
wird auf keinen fall langweilig sein. und, denken wir daran: er ist uns nur
vorausge-
gangen.
jürgen:
friede sei mit dir! amen, amin, om shanti.
lokah samastah sukhino bhavantu (sanskrit: mögen alle wesen glücklich
sein).
brian ferry: there is no end to the great unknown. george harrison: all things
must pass.
nelly furtado: (why
do) all good things come to an end(?)
verse
VII
eugen roth
Im
Finstern schlagen wir ein Kreuzchen,
Hörn klagen wir das arme Käuzchen.
Vorm Totenvogel jedem grauts.
Und doch, als komisch gilt der Kauz.
Er selbst legt darauf wenig Wert.
Den Eulenspiegel, umgekehrt,
Freut sein spass-vögliges Bestreben:
Es muss auch solche Käuze geben.
jürgen war kein kauz, aber er hatte humor, darum das gedicht von eugen
roth.
ein gedicht von inge's tante. inge ist in der theatergruppe, in der jürgen
auch eine
zeit lang vor seiner berlin-zeit war, und inge war sehr betroffen, als ich der
thea-
tergruppe von seinem tod berichtete, obwohl inge jürgen nie kennenlernte.
Ich
leg in Deine guten Vaterhände, was Du an Segen schickst an Freuden schenkst.
Ich weihe Dir die Meinen, die ich liebe, indem du sorgsam ihre Wege lenkst,
ich weihe Dir die Menschen, die ich kenne; führe du sie einmal in den Himmel
ein,
ich weihe Dir die Arbeit, die ich schaffe; lass meine schwache Hand gesegnet
sein,
ich weihe Dir die Freude des Erfolges, indem ich dankbar deinen Ansporn seh',
ich weihe Dir den Ansturm der Versuchung; gib du mir Kraft, dass ich ihr widersteh',
ich weihe Dir mein Herz und was es einschließt,
ich weihe Dir mein Wollen, gut zu sein,
komm guter Vater, gib mir Deinen Segen, sei bei mir, hilf mir, lass mich nicht
allein.
Swami
Sivananda:
Gott als das Selbst
Das
innerste Selbst im Menschen ist seinem Wesen nach Gott selbst, nichts anderes.
Gott ist das allen innewohnende Selbst.
Es
ist unsterblich, absolute Intelligenz, ohne Ursache, ohne Geburt, alldurchdringend,
unzerstörbar, unveränderlich.
Atman,
das göttliche Selbst, ist unzerstörbar, ohne ein Außen oder
Innen, wie ein Stück
Zucker, das ausschließlich aus Zucker besteht. Das Selbst ist eins, eine
Einheit und doch
zu allen Dingen geworden.
Atman
ist frei von Unreinheit, Schmerz und Sorge. Das göttliche Selbst handelt
nicht
und macht keine Erfahrungen. Es kann auch nie das Objekt einer Erfahrung werden.
Das,
wodurch der Jiva, die individuelle Seele, das Selbst erfährt oder erlebt,
ist das
Bewusstsein (Prajnana).
So
wie der Fluss endlich im Meer seine Ruhestatt findet, findet der Mensch, die
einzelne
individuelle Seele, ihre Ruhestatt im Höchsten Selbst, im Unendlichen,
Grenzenlosen.
Der verborgene Schatz
Atman,
die Höchste Seele, ist der verborgene Schatz im Innern deines Herzens.
Blicke
nach innen. Meditiere und empfange diesen Schatz aller Schätze. Das Höchste
Selbst ist
frei von Alter und Tod, von Hunger und Durst und frei von Wünschen. Erkenne
Es, finde
Es und werde frei!
Erklärungen
zu den verwendeten Sanskrit-Begriffen.
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täglichen Inspirationen können beliebig oft vervielfältigt
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von und über Swami
Sivananda.
vor
einigen
wochen habe ich mir ein buch ausgeliehen: "spiegelbild
der sterne" von mi-
chael baigent. wie das schon mal so ist, legt man ein buch zur seite und vergißt
es fast.
erst heute, am 04.02.2007 öffnete ich das buch wieder, genau auf seite
132 befand sich
das lesezeichen, versehen mit einem spruch von cheng chao:
"ein buch ist ein garten in der tasche."
merkwürdigerweise, wie Sie gleich sehen werden, fand ich dies:
"im
corpus hermeticum ist
von einer geheimnisvollen reise die rede, die offenbar eine
reise des ba
ist:
... befiehl deiner seele, nach indien zu reisen, und schneller als dein befehl
wird sie dort
sein. befiehl ihr dann, zum ozean zu gehen, und so wird sie ... in kürze
dort sein, nicht
als ob sie von einem ort zum anderen ginge, sondern als ob sie (längst)
dort wäre.
befiehl ihr, auch in den himmel hinaufzufliegen, und sie wird keine flügel
benötigen." *1
im
weiteren verlauf werden reinkarnationstheorien behandelt und fälle erwähnt,
wo
sich menschen nachweisbar an frühere leben erinnern, was für jürgen
kein hokus
pokus war.
ein schwer krebskranker mann, bereits über eineinhalb jahre in einem "hospiz
für un-
heilbar kranke", wähnt sich sterbend, erwacht allerdings wieder
und ist kurze zeit da-
rauf geheilt. *2
was er berichtet, ist einzigartig und lädt zum nachdenken ein:
"plötzlich
war ich hellwach und stand auf, obwohl mein körper im bett lag. ... ein
licht
leuchtete und ich wandte mich ihm zu. ... als ich begann, mich auf dieses licht
zuzube-
wegen, wußte ich intuitiv, daß ich tot sein würde, wenn ich
es erreichte. ... sagte ich:
'einen moment bitte, nur einen kleinen moment. ich will erst darüber nachdenken,
ich
will mit dir sprechen, bevor ich gehe.'
zu meiner überraschung kam die ganze erfahrung in diesem augenblick zum
stillstand.
... meiner bitte wurde stattgegeben, und ich unterhielt mich mit dem licht.
es nahm da-
bei ständig eine andere gestalt an, die von jesus, buddha, krishna, von
mandalas, arche-
typischen bildern und zeichen. ich fragte das licht: 'was geht hier vor?' ...
die information,
die ich übermittelt bekam, lautete, daß der jeweilige glaube die
art von feedback be-
stimmt, die man von dem licht bekommt. wenn man buddhistisch, katholisch oder
funda-
mentalistisch orientiert war, bekommt man seine eigenen sachen zurückgespiegelt.
...
während das licht sich mir offenbarte, wurde mir bewußt, daß
ich in wirklichkeit das ur-
muster unseres höheren selbst vor mir hatte. wir alle besitzen ein höheres
selbst, eine
überseele als teil unseres wesens, die sich mir da in ihrer reinsten energetischen
form
offenbarte.
eigentlich kann ich es nur so beschreiben, daß das wesen des höheren
selbst einem ka-
nal ähnelt; ... es ist eine direkte verbindung zu der quelle, über
die jeder von uns ver-
fügt. wir sind direkt mit dieser quelle verbunden." *2
noch mehr über derartiges weiß edgar
cayce.
anekdoten
und reiseberichte
indien und ladakh 1995
zufällig
fand ich eine tagebuchaufzeichnung aus der zeit.
"endlich ging es los. ich hatte kein reisefieber, wie offenbar jürgen,
mit dem ich die reise
geplant hatte. er wollte immer schon mal nach indien. ich war erst letztes jahr
dort gewe-
sen. aber nun war auch noch die pest ausgebrochen. wie sagte der prophet dazu:
reise nicht in ein land, in dem die pest ausgebrochen ist, aber reise auch nicht
ab, wenn
du von ihr überrascht wirst. wir wollten zu seiner HEILIGKEIT SRI SATHYA
SAI BABA fahren
und fühlten uns entsprechend geschützt durch den segen von ihm. auch
waren keine orakel
in form von schlechten träumen eingetroffen, die eine klare botschaft beinhalteten
der art,
daß es besser sei, nicht zu reisen. zudem war unsere erste station neu-delhi,
wo wir bei
simone wohnen würden, die vor einem halben jahr nach indien zum dienst
an die deutsche
botschaft gekommen war. sie wirkte dort beim gesundheitsdienst mit und würde
uns sicher
ganz genau sagen können, wo wir besser nicht hinfahren sollten.
nein, reisefieber hatte ich nicht. ich sagte zu jürgen im scherz, daß
ich im hier-und-jetzt
leben würde und da hat man erst reisefieber, wenn man reist und nicht schon
vorher. ein
hund hat sicher dann speichelfluß, wenn er das essen riecht, was auch
bei menschen vor-
kommen kann. aber selbst der hund reagiert nicht, wenn man ihm vom fressen erzählt.
er muß es eben riechen. so geht es mir auch. ich muß erst riechen.
ob die hunde auch besser
im hier-und-jetzt sein können? ich dachte an kinder, die sich auch schon
wochen vorher auf
weihnachten freuen können, das heute, es ist vollmond und der 18.11.1994,
nicht mehr ferne
ist. wir hatten einen preiswerten flug für dm 1200,- gefunden. direktflug
frankfurt-delhi, zu-
rück sollte es über bombay gehen. meine eltern riefen an, ob ich es
mir nicht überlegen
wollte.
schließlich sei in indien die pest ausgebrochen. ich war tatsächlich
selbst ein wenig beun-
ruhigt. hatten sie recht? aber tief in mir wußte ich: diese schreckliche
krankheit ist nicht für
dich bestimmt. später, als wir schon längst wieder heil zurück
waren, erfuhr ich, daß die indi-
sche regierung eine kommission der who eingesetzt hatte, um zu klären,
warum nicht mehr
menschen bei dieser höchst infektiösen krankheit zum beispiel in familien
gestorben seien,
wo wenigstens einer erkrankte.
nach der wahrscheinlichkeit hätten dann alle in der familie, oder aber
mehr als einer erkran-
ken müssen. das war es! endlich war mir klar, was ich vorher nur unterschwellig
geahnt
hatte: die krankheit war nur für bestimmte menschen bestimmt. und nur diese
erkrankten
daran, wie gut sie sich auch zu schützen wußten.
wir hatten tetracyclin dabei und mundschutz und setzten doch nichts davon ein.
mir fiel noch
paracelsus ein, der gesagt hatte, daß die angst vor der krankheit schlimmer
als die krankheit
selbst sei. als unbedingter anhänger der karma-lehre hätte mir das
alles aber auch vor der
reise klar sein können, sonst hätte ich nicht selbst gezweifelt.
wir flogen mit air india und hatten einen schönen flug. ankunft delhi.
lärmende kofferträger
und auf sich aufmerksam machende taxifahrer. wir nehmen ein prepaid taxi, d.h.,
wir be-
zahlen vor fahrtantritt. mehr gibt's dann eben nicht.
es ist nacht gegen zwei uhr. als wir am haus von simone ankommen, sehen wir
einen wach-
mann, der offenbar informiert ist, aber uns dennoch zu warten bittet, als würde
er der sache
selbst nicht trauen.
eine hausdame kommt, zeigt uns unser zimmer und bittet uns ins wohnzimmer. simone
kommt im t-shirt und slip, uns zu begrüßen. wir sinken aufs lager
und schlafen erst mal aus.
ich habe bis dahin zwölf tage gefastet. zum frühstück macht die
haushälterin obstsalat mit
yoghurt. es gibt kaffee. wir haben einige päckchen kaffee, tee und musikkassetten,
sogar
ein frisches brot aus dem bioladen mitgebracht.
simones vater ist da, ihr ehemann und der hund. wir lassen alles langsam angehen.
klei-
nere ausflüge in die stadt. tempel mit einem riesenturm, die eiserne säule,
die man um-
schließen muß, dann hat man glück. das museum verdienter inder,
u.a. auch gandhi,
selbst vivekananda.
tagsüber ist es sehr heiß, aber abends kühlt es ab. es sind
dann vielleicht noch 25 grad.
aus dem fluß steigen elefanten. simones mann will reiten. sie bekommt
fast einen anfall.
die pest. elefanten haben doch flöhe. stimmt. dennoch müssen wir ein
bakshish hinterher-
werfen.
lösegeld. kurzer sprung."
von
delhi flogen wir nach srinargar in kashmir und wohnten in einem alten hotel-haus-
boot auf dem dal-see. wir waren die einzigen gäste, und in srinargar wimmelte
es nur
so von indischen soldaten und spezialkräften mit schwarzen kopftüchern,
wie man es aus
piratenfilem kennt. die lage war nicht unbedrohlich, was uns nicht entging.
wir machten sogar einige ausflüge mit einem uralten taxi ins landesinnere,
um eine sehr
alte moschee zu besichtigen. ein jahr später wurden touristen entführt,
von einem wurde
der kopf gefunden. wir betrachteten uns als "spiritual travellers"
und waren sicher.
mit bus ging es weiter nach ladakh in die hauptstadt leh auf 3500 m höhe.
wir fanden
schnell ein preiswertes hotel, in dem jeder eimer warmes wasser zum waschen
(kipp
es drüber) extra bezahlt werden mußte. am ersten abend durchstreiften
wir die stadt
und waren ziemlich übellaunig. das kam sehr selten vor, aber beide gleichzeitig?
wir kamen an einem für touristen bestimmen info-schild vorbei. dort stand
sinngemäß,
daß es normal sei, wenn man sich auf 3500 m höhe begebe, daß
man dann gereizt sein,
unter kopfschmerzen leiden könne usw. wir hatten die erklärung, aber
die laune wurde
dadurch nicht schlagartig besser. wir mußten uns eben erst einmal akklimatisieren.
wir machten einige ausflüge ins landesinnere zu buddhistischen klöstern.
ich habe noch
immer das foto eines goldenen buddhas, das wir später vergrößerten.
jürgen hatte es
auch. wir
aßen regelmäßig abends warm. ein findiger restaurantbesitzer
tischte gemüse
mit bratkartoffeln und knoblauch auf. das war mal anderes als immer nur reis.
die hauptsatdt leh hat im grunde eine große hauptstraße, an die
sich laden an laden
reiht. die touristen wollen und sollen shoppen. der winter beschert den einheimischen
einen sieben monate langen winter, wobei die touristen dann fernbleiben.
zurück
ging es per flugzeug durch ein beängstigend enges tal richtung delhi mit
einem
wunderbaren ausblick auf die berge des himalayas. man konnte förmlich dabei
zusehen,
wie sich die atmosphähre verdunkelte und den dreck ahnen, der in der luft
lag, denn
unter uns sahen wir immer mehr offene feuerstellen und den smog von delhi.
wir verbrachten noch einige tage bei unseren vorherigen gastgebern und gelangten
über
bombay wir nach bangalore und weilten einige zeit im ashram bei sai baba, wo
wir an
den täglichen darshans teilnehmen, manchmal mehrmals. wir hatten eine private
unter-
kunft in einer familie gefunden und genossen eine schöne zeit.
mancher hatte mich später gefragt, ob denn da nichts spektakuläres
passiert sei? ich
hatte ein erlebnis, das sich mehrfach wiederholte. wenn in der großen
halle die men-
schen erwartungsvoll auf sai baba warteten, hatte ich, und das wiederholte sich
noch
einige male, das klare gefühl, als würde sich in dem moment, wenn
sai baba den saal
betrat, das an sich schon helle licht, um einiges verfielfachen, so, als würde
noch eine
sonne zusätzlich scheinen.
für mich war das ein greifbarer beweis für die von sai baba ausgehende
strahlkraft, denn
dieses unmittelbare gefühl der anhebung der gesamten aura um mich herum,
löste sich
immer recht schnell, wenn sai baba den saal verließ. spektiker mögen
vermuten, daß die
hauselektriker an den spannungsgreglern saßen. weiß man's?
das
messer
im jahre 1994 wohnte ich bei jürgen in einem alten haus mit ofenheizung(en).
war man
länger als 8 stunden außer haus, wurde es ungemütlich kalt,
vor allem, wenn es winter
war. wir bildeten eine wg und hatten keinen streß. wir hatten sogar die
übereinkunft,
daß jeder mindestens einmal in der woche für den anderen mitkocht.
jürgen zeigte sich dabei als kreativer koch. einmal gab es brennessel-bratlinge.
ich
fragte, von wo denn die nessel seien. vom hof. aha. ich fragte, ob er denn sicher
sei,
daß da nicht mal ein hund... . nein, nein, er habe es schon gut gewaschen.
und es war
ihm wirklich gut gelungen. ab und an verschwand mal ein küchenmesser. jürgen
hatte
die angewohnheit, bioabfälle in etwas zeitung zu packen und dann in den
küchenherd zu
werfen. dabei verbrannte dann schon mal ein küchenmesser, was man später
in der asche
sehen konnte.
irgendwann später schenkte mir jürgen ein ebensolches solinger küchenmesser,
was ich
bis auf den heutigen tag benutze, und es ist immer noch sauscharf!
berlin
dann endete die wg, weil jürgen nach berlin ging. von der damaligen wohnungsauflö-
sung habe ich immer noch einen alten ohrensessel. in berlin ging es hin und
her, auf
und ab.
er wurde in einer arbeitsstelle übel gemobbt. man nahm termine für
ihn an, sagte ihm
aber nichts. wenn die dann platzten, wußte man von nichts. am ende war
er den job
los. er war wieder arbeitslos, wie vorher eine zeit lang in hatterscheid.
ich weiß noch, daß wir telefonierten und ich ihm sagte: dafür
hättest du nicht nach ber-
lin gehen müssen, arbeitslos hättest du auch hier sein können
bzw. bleiben können.
das war halb im scherz und halb ernst gemeint. natürlich hatte er nach
berlin gehen
müssen, um seine chancen zu nutzen.
in
den letzten tagen fiel mir ein musikstück ein, daß schon recht betagt
ist. es stammt
wohl aus den späten 60er-jahren und ist von john mayall, der blues legende,
wo un-
teren anderen eric clapton lernte. das stück heißt: the
death of j.b. lenoir und be-
schreibt den tod eines guten freundes durch einen autounfall.
warum kam mir das in den sinn? ist schon klar, aber da war noch etwas. j.b.
das sind
doch die initialen von jürgen briesemeister.
das pony
nein, jürgen war kein reiter. wenn er mich besuchte, oder wenn wir unterwegs
waren,
konnte es vorkommen, daß er folgendes ausrief: "ich habe durst wie
ein pony." darauf
konnte er einen liter milch oder mehr in einem zug trinken.
das
negerklischee
was ist damit gemeint? klischees über farbige, schwarze, nicht ganz
politisch korrekt
ausgedrückt? neger sagt man ja nicht mehr. ich erinnere mich noch an den
nickenden
neger, der im kindergottesdienst herumgereicht wurde. ein kleines kästchen
mit einem
kleinen afrikaner oben drauf. wenn man das geld in den schlitz warf, nickte
der neger.
er freute sich über die spende. das geschah im kindergottesdienst. besondes
gut ent-
sinne ich mich daran, daß es regelrechte wortkämpfe gab, die zum
inhalt die frage
hatten: "kann ich heute den neger haben". der stolze junge mensch
wandelte dann
mit dem neger durch die reihen und sammelte die kollekte ein, die ein jeder
in den
schlitz warf. und jedes mal nickte der neger. übrigens: schwarze kann man
ja durch-
aus gelten lassen, aber farbige? sind die bunt? wir sind ja auch nicht richtig
weiß.
eher rosa. bitte jetzt nicht an das tier denken.
nun, das war eine lange vorrede zum negerklischee. jürgen meinte etwas
ganz ande-
res. wir waren mal auf reisen in london und übernachteten in nottinghill.
dort gab's
kleine shops, in denen man rund um die uhr einkaufen konnte. wir holten uns
oft
abends leckere somosas. das hotel, es hieß, glaube ich trebovir hotel,
zeichnete sich
durch geringe preise aus, dafür hatten wir gesellschaft von dort untergebrachten
sozialhilfeempfängern und prostituierten. das klopapier war, sobald man
eine neue
rolle entdeckte, blitzschnell versxhwunden, mal beschlagnahmten wir es, mal
die
anderen. es war gut, immer einen vorrat auf dem zimmer zu haben. wir hatten
ein
zimmer gemeinsam und die betten standen auseinander.
jeder von uns behauptete, daß der andere schnarche: nur man selbst natürlich
nicht.
besonders lustig war es, als wir "cacerlakes" entdeckten und dies
der ziemlich herun-
tergekommenen, schlampigen, doch sehr freundlichen inhaberin mitteilten. was
wir
denn nur hätten: es sein doch ein"cosy room." wir hatten ein
neues wort gelernt.
eines abends wühlte jürgen in seinen sachen. er wollte sich bettfertig
machen. "wo
ist denn nur mein negerklischee", rief er. ich verstand bahnhof, denn besonders
nachts
konnten wir die züge vom nahegelegenen bahnhof hören. jürgen
klärte mich auf, daß
er nach seinem schlafanzug suche, seinem neglige,
das er negerklischee aussprach.
das war eines surrealisten
würdig.
schon früh hatte ich mich mit denen beschäftigt und war von dieser,
leider unvoll-
ständigen definition (aus
faz-online) begeistert:
"schönheit
definierten die surrealisten mit lautréamont als "die zufällige
begegnung
eines regenschirms und einer nähmaschine auf dem seziertisch" - die
überraschende
kombination miteinander unvereinbarer elemente, deren tieferer zusammenhang
sich nur einer Logik des Traums erschließt."
hier wird vergessen, daß max
ernst die aussage um einen wichtigen faktor steigerte,
denn er fügte hinzu: "und der funke poesie,
der bei der annäherung der an sich we-
sensfremden elemente überspringt." und genau
so etwas gelang jürgen mitunter auf
seine art, wozu er sich nicht anstrengen mußte, es floß aus ihm
heraus.
wenn ich das in meinem club erzähle, dachte ich da so manches mal. als
sprachkünst-
ler war jürgen nicht immer gut auf meine eigenen bemühungen zu sprechen.
ich hatte
und habe die angewohnheit, worte zu verdrehen und umzubauen.
dies passiert mittlerweile vollautomatisch. Sie müssen sich nur vorstellen,
daß da ein
bestimmtes wort in meinem kopf erscheint und sich selbst herumdreht. sagen wir
mal:
statistisches bundesamt. daraus kann dann ohne weiteres buddhistisches standesamt
werden. land der dichter und denker? - richter und henker. das ist keine verdrehung,
eher reimung oder dichtung.
wie wäre es mit:
die reihen lichten sich - die laien richten sich oder: die leitenden reichen
- die reitenden
leichen. so kann man auch zur vorübergehenden erkenntnis gelangen. mit
anagrammen
läßt sich das ganze noch unendlich steigern.
das anagramm für jürgen briesemeister eröffnet 1328 möglichkeiten.
nr. 1322: "ibm
regenerierte jesus." man kann darüber denken, wie man will: immerhin
kommt jesus
vor. Sie kommen nicht drauf, was man aus angela merkel machen kann.
so
war ich also oft ziemlich stolz auf eine neue sprachliche umgestaltung, aber
jürgen
fand's nur zum gähnen.
"ja
und den rest?" so fragte er mich einmal. ob ich denn keinen friseur hätte.
ich fragte:
" wieso?" ja, dem könnte ich dann den rest erzählen oder
ihn auf die b-seite aufnehmen.
er unterstellte mir damit, daß ich eine schallplatte, nämlich die
a-seite abspielte.
das
alles änderte aber nichts an unserer gegenseitigen wertschätzung,
und ich war un-
glaublich penetrant. sobald ich eine neue schöpfung hatte, teilte ich sie
ihm mit, und
eines tages überraschte er mich selbst mit solchem material. meine taktik
hatte sich
ausgezahlt bzw. der bazillus war ansteckend.
das
video
ich
habe noch ein sekunden-video von jürgen
gefunden. es entstand anläßlich seines
besuchs am 03. september 2003 bei mir in troisdorf.
ich sagte jürgen, er solle mal was
sagen, damit ich auch seine stimme auf den film drauf bekomme. ich verhielt
mich wie
jemand, der beim photographieren: "bitte lächeln" sagt.
mit seiner eigenen art, nämlich nicht auf das einzugehen, was ich wollte,
beantwortete
jürgen das: eine art rap entstand, an dem ich mich auch beteiligte.
bitte auf den lautsprecher
clicken für die anrufbeantworteransage. auf der sich öff-
nenden seite befindet sich auch der kurze ausschnitt "maa ganga",
übersetzt mutter
ganges, der heilige fluß. ich fragte in indien
an, ob ich die musik auf dieser seite ab-
spielen dürfe und erhielt folgende antwort:
"Dear Mr Martin,
Im happy that you like our music. for sure you can use the sound of our song
if it makes
your friends soul feel good i think that will make us happy too.
yours, Deobrat Mishra."
noch
ein mitschnitt. jürgen rief mich einmal an und sang dabei auf den anrufbeantworter.
da ich selbst meine ansage gesungen hatte, war es für manch einen, wie
auch für jürgen,
klar, daß man auch singend antworten kann.
er singt: "ich hab' einen koffer aus berlin, der kommt eigentlich doch
aus hatterscheid
dahin und wenn du zeit hast, ruf mich einfach mal zurück." es wird
deutlich, daß jürgen,
der bekanntlich gut singen konnte, sich einen spaß mit diesem gesang machte,
der mich
bewog, diesen tonschnipsel zu bewahren. jürgen mochte auch jazz, und ich
finde: das
ist jazz! vielleicht hat es auch etwas von herrn valentin.
*1 michael baigent, spiegelbild der sterne, s. 133
*2 michael baigent, spiegelbild der sterne, s. 224-225